Literatur-Clocktail 5

Ingo Schulze

Adam und Evelyn

2008 Berlin Verlag

 

Die Frauen lieben Adam, und Adam liebt die Frauen. Adam íst Schneider, Maßschneider. Wenn sie seine Kleider tragen, begehrt er sie alle, aber ansonsten liebt er Evelyn.

Die erwischt ihn mit der drallen Lilly, macht ihm eine Szene, packt die Koffer und fährt mit Freundin Simone und deren Cousin aus dem Westen nach Ungarn, an den Plattensee. Eigentlich wollten Adam und Evelyn ja an den Plattensee. Das Visum hatten sie schon. Die Geschichte spielt im Sommer und Herbst 1989.Was bleibt Adam übrig. Er will Evelyn zurück, nur sie soll es sein. Also folgt er ihr in seinem alten Wartburg, ein Wartburg namens Heinrich, – schon komisch, wenn man 10 Jahre auf ein Auto warten muß, verpasst man dem gleich einen Namen. Wie Schorsch in dem Film „Go, Trabbi go“. Adam schmuggelt erst mal Katja über die Grenze nach Ungarn. Denn in diesem Sommer ist alles in Bewegung, geht so rasend schnell. Katja will in den Westen und Evelyn vielleicht auch. Evelyn will ihre Chance, es könnte etwas gehen. Sie möchte ein Leben, in dem  sie selbst die Wahl hat, welches Studienfach sie belegt. Und wenn sie dann im Westen kellnern muß, so ist es doch ihre eigene Entscheidung.

Und dann sitzen sie alle am Plattensee auf dem Zeltplatz. Den Blick immer rüber nach Österreich. Die Zeltplätze sind voll im Sommer 89 und die Gespräche drehen sich nur darum, – wo wird kontrolliert, wie streng, kann man es wagen ?

Adam möchte aber seine private Welt wieder in Ordnung bringen. Der Cousin aus dem Westen lockt inzwischen Evelyn und nicht Simone mit den Reichtümern des Westens, doch so schnell kann die sich nun doch nicht entscheiden.

Evelyn bleibt in Ungarn , verlängert ihren Urlaub.  Dann heißt es im Fernsehen, die Grenze ist auf, die Ungarn lassen sie raus.

Auf nach Österreich und dann nach Bayern. Da wohnen Verwandte, die Adam und Evelyn aufnehmen. Und nun heißt es für beide – leben mit der Entscheidung, und aus der Ferne zusehen, wie  durch die Maueröffnung  eh alles verändert.

Der Westen ist das alles-zu-haben-Paradies für die Fluchtwilligen, der Osten ist das Paradies für die Liebhaber der Langsamkeit und der einfachen Genüsse. Und dazwischen :

Ingo Schulze beschreibt das Paradies dieser Zwischenzeit. Der Aufenthalt junger Leute aus der DDR in Ungarn am Plattensee. Essen, Trinken, Rauchen, Liebe, Sichstreiten und Sichversöhnen werden genossen, bevor es alle unwiderstehlich nach Westen zieht.

Während für Evelyn langsam eine Welt aufgeht, geht für Adam, den Genussmenschen, eine Welt unter.

Der Autor verteidigt immer noch , wie seit seinen „Simplen Storys“ die Lebens- und Glücksansprüche der DDR-Bürger.

Ingo Schulze schafft das alles  in einer sehr luftigen, leichten Sprache. Das Buch ist leicht zu lesen, 55 Kapitel auf 315 Seiten.




Hans Pleschinski

Ludwigshöhe

2008 Beck Verlag

 

Erben habens schwer. Die Geschwister Ulrich, Monika und Clarissa erben ein bedeutendes Vermögen. Onkel Robert, das schwarze Schaf der Familie, hinterlässt ihnen Bargeld, Firmenanteile, Hotelbeteiligungen, eine Mineralwasserquelle und eine Villa. Eine Villa am Starnberger See, die Ludwigshöhe. Die drei wären auf einen Schlag reich, gäbe es da nicht eine vertrackte Klausel im Testament. Die Erben müssen das Haus in ein Hospiz verwandeln, in ein Hospiz für Lebensmüde. Und sie müssen den Kandidaten behilflich sein .

Ein Anwalt in London wartet auf die Vollzugsmeldung.

Die Geschwister fügen sich, verschicken diskret Visitenkarten, veröffentlichen eine Telefonnummer.

Und nun versammelt Pleschinski eine bunte Schar von Todessüchtigen.

 

Ein Radiomoderator, den die Nachrichtenflut peinigt, eine verängstigte Lehrerin, eine vereinsamte Schauspielerin, ein bankrotter Verleger, ein Hausmeister und noch weitere Kandidaten.

Das Geschwisterpaar sorgt für die entsprechenden Hilfsmittel.

Aber die Dinge entwickeln sich völlig anders. Vom Alltag erlöst finden die Lebensmüden wieder ins Leben zurück, haben nicht Absicht , aus dem Leben zu scheiden. Es hagelt Beschwerden über das Essen, finden Gefallen an der Gartenarbeit, und manche finden auch zueinander.

„Ludwigshöhe“ ist keine Parabel auf das moderne Leben. Plaschinski begleitet seine Figuren einfach liebevoll auf dem Weg zurück in das Leben. Das macht er humorvoll und mit elegantem Charme.

 


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