Archiv für den Monat Oktober 2009

Besuch bei der Free Library in Philadelphia

Die Free Library ist mit über 50 Zweigstellen eines der größten Bibliothekssysteme in den USA und unvergleichlich größer als Systeme hierzulande. Ich hatte mich dort als Mitglied der Kommission für Kinder- und Jugendbibliotheken eingeladen, in der Hoffnung etwas über das Angebot für Jugendliche zu erfahren. Es war ein Treffer ins Schwarze. Stoff genug für einen längeren Artikel. Was sehr deutlich wurde, ist eine konsequente Gemeinwesenorientierung, insbesondere der Zweigstellen, die sozial höchst unterschiedliche Stadtteile zu versorgen haben.

Am meisten beindruckt hat mich das LEAP-Projekt, eine Hausaufgabenbetreuung, die in der Stadt 177 000 Kinder und noch einmal 80000 Teens erreicht. Etwa 150 Schüler aus High-Schools sind als (bezahlte) Assistenten beteiligt – manchmal das einzige Familieneinkommen! – , die wiederum von College-Studenten betreut werden. Natürlich ist auch dieses Programm von Mittelkürzungen bedroht.

Nächste Woche werde ich noch eine Zweigstelle und eine Veranstaltung des Jugendbereiches besuchen. Hier noch ein Bild meiner Gastgeber, über den Dächern von Philadelphia:

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Von links nach rechts: Christine Caputo (Zentrale), ich, Andrea Zimmerman (Zentrale), Aurora Sanchez (Programmarbeit für Teens) und Christina Patton (Zweigstelle Widener)

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Gruß aus den USA

Während die Vorbereitungen für das Büchereifest auf vollen Touren laufen, befindet sich der Büchereileiter im Urlaub in den USA, stolz auf sein Team, dass es auch – wenigstens zeitweise – ohne ihn geht. Aber natürlich ist und bleibt er Bibliothekar, so dass der Besuch bei hiesigen Bibliotheken, Public Libraries, selbstverständlich dazu gehört.

Letzten Dienstag war ich in der Wissahickon Public Library einer PL, die ungefähr ein Einzugsgebiet von 35 000 Menschen versorgt, etwas größer als Nordenham, mit 2 Häusern, 50 (meist Teilzeit-) Angestellten und 50 Ehrenamtlichen und einem Gesamtbudget von 1,2 Mill $ (ca 0,8 Mill. Euro).

IMG_0052Hier ein Blick in die Kinderabteilung.

Unabhängig von der wesentlich besseren Ausstattung sind die Probleme die selben: Mittelkürzungen, die Suche nach neuen Wegen, um Jugendliche anzusprechen, das Bewusstsein, dass große Änderungen in der Mediennutzung auf uns zukommen. Was mir allerdings auch aufgefallen ist, in der Medienpräsentation sind wir in Deutschland deutlich weiter – oder vielleicht auch nur bewusster. Und was das Selbstverständnis betrifft, eine Bibliothek als aktiver Akteur in der Gemeinde, als sozialer Ort, sind wir geradezu „amerikanisch“ in Nordenham.

Morgen steht ein Besuch bei der Free Library in Philadelphia auf dem Programm. Dabei geht es speziell um die Bibliotheksarbeit für und mit Jugendlichen.

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Neues Spiel in der Bücherei

Ab sofort kann man bei uns das Spiel Tayü ausleihen.

                        

Aufgabe der zwei Spieler ist es, ausgehend von einem Mittelstein möglichst viele Mündungen ins offene Meer (an den Spielfeldrand) zu legen. Dabei spielt ein Spieler die Nord-Süd-Achse, der andere die West-Ost-Achse. Es gibt Steine mit zwei oder drei verschiedenen Mündungen, die verdeckt gezogen und angelegt werden müssen. Kann ein Stein nicht mehr gelegt werden, ist das Spiel beendet. Die Mündungen an den gegenüberliegenden Seiten werden multipliziert; Sieger ist der Spieler mit den meisten Punkten. Für 2 – 4 Spieler ab 7 Jahren.

Neue Medien

Es sind wieder neue CDs und DVDs eingetroffen und ab sofort ausleihbar.
Hier unsere CDs
     
     
     
   
   
     
   
Und hier unsere DVDs
     
   
   
    
     
     
   

Franz Jägerstätter zum Gedenken

Aus Anlass des siebzigjährigen Beginns des Zweiten Weltkrieges zeigt die Stadtbücherei die kleine Ausstellung „Besser die Hände als der Wille gefesselt“ der Friedensbibliothek der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg.

Das Nachkriegsdeutschland tat sich schwer mit Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren in der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges. Aber es gab sie und nicht wenige. Es gab über 100 000 Kriegsgerichtsverfahren, von denen 22 000 mit einem Todesurteil endeten. Die Friedensbibliothek hat in zehnjähriger Arbeit gerade mal 50 Lebensberichte auffinden können, die in einer größeren Ausstellung präsentiert werden. Ein Teil dieser Ausstellung ist gegenwärtig in der Stadtbücherei Nordenham zu sehen. Gezeigt wird die Biographie des österreichischen Bauern Franz Jägerstätter, der 1943 wegen „Wehrkraftzersetzung“ in Brandenburg hingerichtet wurde. Als überzeugter Katholik lehnte er das Naziregime ab, was ihn bald zum Außenseiter seines Dorfes machte. Dies bekam auch seine Witwe noch Jahrzehnte später zu spüren. Im Jahr 2007 wurde er von der katholischen Kriche als Vorbild im Glauben selig gesprochen. Sein Lebenslauf steht stellvertretend für viele aus unserer Region, über die wir nichts wissen.