Archiv für den Monat Januar 2011

Winterzeit ist Lesezeit

Pünktlich zum Wochenende gibt es heute wieder Lesetipps aus der Stadtbücherei:

Lisa-Marie Dickreiter:

Vom Atmen unter Wasser

Bloomsbury 2010

Ein Buch, das man nicht aus der Hand legen kann, das einem den Schauer über den Rücken jagt und gleichzeitig zu Herzen geht…

Genau so eine Buch ist „Vom Atmen unter Wasser“ von Lisa-Marie Dickreiter.

Familie Bergmann, eine durchweg intakte Familie, bis zu dem Tag, an dem die 16-jährige Tochter Sarah auf dem Rückweg von einer Party ermordet wird. Ihre Mutter Anne begeht am ersten Jahrestag des Todes einen Selbstmordversuch, daraufhin bittet der Vater den erwachsenen Sohn, wieder zu Hause einzuziehen und sich um die Mutter zu kümmern.

Simon, der stets im Schatten seiner jüngeren Schwester stand, schafft es tatsächlich, seine Mutter für kurze Augenblicke aus ihrer Trauer zu befreien.

Aber wer kümmert sich um ihn und seine Art des Abschiednehmens?

Finn-Ole Heinrich: Räuberhände

Mairisch 2007

Eine tiefe Freundschaft, das bestandene Abitur und ein lange nicht thematisiertes Ereignis treiben Samuel und Janik nach Istanbul.

Samuel wurde von der Familie seines besten Freundes aufgenommen, da seine Mutter ihre Tage lieber Alkohol trinkend vorm Supermarkt der Stadt verbringt und keine Zeit für ihren Sohn hat. Janik hingegen rebelliert gegen den Haushalt seiner Oberstudienräte-Eltern. Gemeinsam machen sie sich in der türkischen Hauptstadt auf die Suche nach Samuels Vater, den spärlichen Erzählungen der Mutter nach soll er aus Istanbul kommen.

Sie finden alles – nur nicht Samuels Vater…

Advertisements

John Vaillant : Der Tiger

John Vaillant

Der Tiger

2010 Blessing Verlag

Ein Thriller der anderen Art. Tatort, die russische Taiga ; das Opfer, Wladimir Markow, ein Wilderer ; der Täter, ein Tiger.

Eine Geschichte mit drei Hauptfiguren.

Die Geschichte eines Raubtiers, das offenbar überlegt und mit voller Absicht handelte, um einen Menschen zu töten, eben jenen Wilderer Markow. Und die des Wildhüters Juri Trusch, der den Tiger, ein Kraftpaket von 4m Länge und 300 Kilogramm schwer, schließlich zur Strecke brachte.

Dies geschah im Dezember 1997 im „fernen Osten“ Russlands, in Primolje, der Region um den Fluss Amur an der Grenze zu China. In dieser einmaligen Landschaft, wo im Winter Minus 40 Grad herrschen und das Eis auf dem Fluss meterdick ist, prallt das Reich des Amurtigers auf das des Menschen.

Die Bewohner, hauptsächlich Fischer und Holzfäller, leben mit dem Tiger. Sie respektieren ihn als den Herrscher des Waldes. „Wenn du den Tiger entdeckst, hat er dich schon längst gesehen.“

Allerdings nimmt die Jagd auf den Tiger, das Wildern, erheblich zu, denn das Leben in der Region  ist kaum vorstellbar hart und die Händler aus China zahlen hohe Preise.

John Vaillant hat ein hier ein spannendes Buch vorgelegt.

Ich kenne Tiger nur aus dem Zirkus. Auf der einen Seite der Tiger, auf der anderen Seite ich ; dazwischen ein hohes Gitter. Nach der Lektüre von John Vaillant – Der Tiger –  wird das auch so bleiben.

Don Winslow : Tage der Toten

Don Winslow

Tage der Toten

2010 Suhrkamp

Ein spannendes Buch, ein aufrüttelndes Buch. Eine schwierige Lektüre. Die Story beginnt 1973, der Spezialagent Art Keller wird von der neuen Drogenbekämpfungsbehörde DEA als Fahnder in die mexikanische Provinz Sinaloa beordert. Nach zwei Jahren erfolgloser Arbeit lernt Keller die Brüder Adan und Raul Barrera kennen, die Söhne des wichtigsten Polizeioffiziers in Sinaloa. Die Männer verbünden sich im Kampf gegen die Opiumbauern und zerschlagen das Drogenimperium von Don Pedro Aviles, der dabei erschossen wird. Leider muss Keller erkennen, dass die Barreras Don Pedro nur deshalb gestürzt haben, um selbst die Führung eines neuen Drogenkartells zu übernehmen. Mit Flugzeugen gelangen riesige Mengen Kokain aus Kolumbien nach Mexiko, von wo aus sie über die Grenze in die USA geschmuggelt werden. Es ist der Beginne eines jahrzehnte langen Kampfes, bei dem es nur Verlierer geben kann.

Die Handlung umspannt einen Zeitraum von fast dreißig Jahren und Don Winslow entwirft ein blutiges Panorama des von Präsident Nixon ausgerufenen „War on Drugs“, der bis heute andauert. Neben den Hauptfiguren Art Keller und den Barreras gibt es viele weitere Charaktere, die bis in die kleinste Nebenfigur vielschichtig und glaubwürdig dargestellt werden. Don Winslow gliedert nicht in „Gut“ und „Böse“ , er zeichnet Figuren mit Gefühlen , selbst Drogenbosse und Mafiakiller.

„Tage der Toten“ ist ein Roman von beängstigender Realitätsnähe, düster und brutal. Ein Ausnahme-Thiller.

Oelker Die Nacht des Schierlings

Petra Oelker

Die Nacht des Schierlings

2010 Rowohlt Verlag

Der Tote, Bruno Hofmann, Konditormeister, zählte nicht gerarde zu den beliebtesten Bürgern der Hansestadt. Er war doch mehr Lebemann und Genussmensch. Aber war er wirklich ein Mitgiftjäger und Betrüger ? Viele Hamburger hatten gute Gründe , ihn zu hassen. Der Apotheker vom Opernhof, der junge Graf mit der fragwürdigen Vergangenheit, oder der stumme Akrobat Muto. Wollte auch Claas Hermanns den Konditor lieber tod als lebendig sehen, der so überraschend in die Runge’sche Konditorei am Rödingsmarkt eingeheiratet hatte  ?

Die Gerüchteküche brodelte, der Tod des Konditors war in Windeseile Stadtgespräch. War er betrunken ins Fleet gestürzt ? Oder stimmte es wirklich, das in seinem Rücken ein Messer steckte ? In Hamburgs Strassen und Gassen herrscht das Gerücht , es habe Streit gegeben zwischen Konditor Hofmann und Claas Hermanns, Streit wegen Molly, Hofmanns Stieftochter, die während Anne Hermanns Reise auf die Jersey-Inseln im Haushalt von Claas Hermanns gearbeitet hatte. Auch wenn er nie eine Affäre mit Mamsell Runge hatte, die üble Nachrede klebt wie Pech an Claas Hermanns.

Rosina Vinstedt wäre lieber ihrer wahren Passion, dem Theater, nachgegangen, zumal die Becker’sche Komödiengesellschaft gerade in der Stadt gastierte. Aber da ist dieser ungeheuerliche Verdacht gegen ihren Freund Claas Hermanns, und so macht sich die Komödiantin Rosina zusammen mit Weddemeister Wagner auf die Suche nach dem wahren Mörder.

Denn es gibt tatsächlich jemanden, der sein Geheimnis nicht durch einen Menschen wie Bruno Hofmann zerstören lassen will. Und wie wenig fehlte , um den Schierlingsmord auf ewig unaufgeklärt zu lassen.

Petra Oelker liest am 25. Februar 2011 auf Einladung von LiteraturPlus Wesermarsch in der Reihe „Angst im Amtsgericht“ im Amtsgericht Nordenham. Beginn 19 Uhr 30

Michaela Murgia : Accabadora

Michaela Murgia

Accabadora

2010 Wagenbach Verlag

 

Ein Buch aus einer eigenen Welt. Auf Sardinien herrscht folgender Brauch – ein Kind, dessen Eltern zu arm sind um gut dafür zu sorgen, wird zu einer kinderlosen Frau oder einem kinderlosen Paar gegeben. Es hält zwar weiterhin Kontakt zu der eigenen Familie, wächst aber bei der Ziehmutter auf. Zuneigung ist entscheidend, es gibt keine behördlichen Formalitäten.

 

Die kleine Maria ist sechs Jahre alt, als ihre verarmte Mutter sie zu Bonaria Urrai gibt, der alten Schneiderin. Maria hat nun ein eigenes Zimmer, und sie darf die Schule besuchen, viel länger als ihre älteren Schwestern. Mit Bonaria kommt Marie gut aus. Doch die immer schwarz gekleidete Frau hat ein Geheimnis. Manchmal verlässt sie nachts das Haus, und Maria darf nicht einmal fragen, wohin sie geht. Aber Maria findet es heraus …

 

Eine Geschichte voller Riten, voller Aberglauben. Und dies ist kein historischer Roman, die Geschichte spielt in den 60ger Jahren des 20. Jahrhunderts. Das archaische Landleben Sardiniens trifft auf das moderne Italien. Michaela Murgia erzählt eine ungewöhnliche Mutter-Tochter Geschichte. Sie flüstert einem in ihrer wunderschönen Sprache Geheimnisse zu. Ein besonderes Buch.

Positive Bilanz

Nicht nur unser Geschichten-Adventskalender wird aufgrund der sehr guten Resonanz Ende des Jahres wiederholt werden, auch die BOJE, das Beratungsbüro für Jugendliche und Erwachsene in Nordenham, hat ihren Umzug zu uns in die Bücherei nicht bereut.

Jeden Donnerstag von 15:00-18:00 Uhr findet die Berufsberatung in der Stadtbücherei statt.

Ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr

wünscht Ihnen & Euch das Team der Stadtbücherei Nordenham! Ab heute haben wir wieder geöffnet und starten in ein für die Bibliothek aufregendes neues Jahr.
2011 wird das Kreismedienzentrum mit in unsere Räume kommen, wir werden dadurch keinen Platz verlieren, aber es sind einige Umbauten nötig. Wir werden bei dieser Gelegenheit unser Angebot für die Zielgruppen Lehrer und Schüler umorganisieren.

Also: wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Das Team der Bücherei