Der 10. Mai

Freitag in einer Woche jährt sich zum 80. Mal die Bücherverbrennung in Berlin. Initiiert wurde sie übrigens von Studenten. Viele der Autoren, deren Werke damals verbrannt wurden, waren auch in der späteren Bundesrepublik vergessen. Viele gerieten als überzeugte Linke zwischen die Frontstellung des Kalten Krieges und wurden nur in der DDR publiziert, wie Arnold Zweig, Leonhard Frank oder Lion Feuchtwanger. Erst in den Siebzigerjahren grub der Stern-Journalist Jürgen Serke, der dieser Tage 75 Jahre alt wird,  die „Verbrannten Dichter“ wieder aus. Es gab aber auch „verbrannte Denker“.

An prominenter – dritter – Stelle gleich hinter Marx, Heinrich Mann und Kästner heißt es in den „Feuersprüchen“:

3. Rufer: Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat, für Hingabe an Volk und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Friedrich Wilhelm Foerster.

Der Pädagoge Foerster ist heute völlig unbekannt, ebenso wie der Publizist Hellmut von Gerlach. Wie haben uns daher überlegt, im Rahmen unserer Reihe „1913“ zwei Veranstaltungen zu den vergessenen Denkern und leidenschaftlichen Demokraten zu machen. Wir konnten dafür den Bremer Verleger Helmut Donat gewinnen, der ein Großteil seiner verlegerischen Arbeit der Herausgabe der Werke dieser Autoren gewidmet hat.

Den Anfang macht allerdings um 22. Mai um 20 Uhr ein Abend zu Hans Paasche, ein ehemaliger Marineoffizier, der sich zum lautstarken Kritiker des deutschen Kolonialismus entwickelte, den er in Afrika selbst erlebt hatte. Er war eine schillernde Gestalt des späten Wilheminismus, früher Vorkämpfer für Tier- und Naturschutz, Verkünder einer „natürlichen Lebensweise“ und Idol der damaligen Jugendbewegung. Er wurde 1920 von Reichswehrsoldaten „auf der Flucht erschossen“, einer der vielen politischen Morde der Weimarer Republik, die nie geahndet wurden.  Wer sich einen Eindruck von seinem Denken verschaffen will, kann sich beim Bayerischen Rundfunk heute Abend über das Internet eine Lesung aus seinem Buch

anhören.

Die Veranstaltung zu Foerster und Gerlach findet am Mittwoch, den 5. Juni statt.

 

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Ein Gedanke zu „Der 10. Mai

  1. Britta sagt:

    Hallo Ihr lieben Nordenhamer!

    Foerster – da klingeln doch gleich mal meine Ohren! Friedrich Wilhelm ist der ältere Bruder von Karl Foerster, zu dem ich ja bekanntlich ein recht gutes Verhältnis habe ;). In der Foersterschen Privatbibliothek sind mir auch viele Bücher von Friedrich Wilhelm durch die Finger gegangen. Da wäre ich am 5. Juni natürlich gerne dabei, um zu hören, was dort so über ihn berichtet wird. Leider ist Nordenham noch immer sooooooooo weit weg von Greifswald!

    Ganz liebe Grüße von dem anderen großen Wasser!
    Britta

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