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Literatur-Cocktail 3

Nils Mohl

Kasse 53

2008 Achilla Presse 

 

Dies ist ein Buch,  da bin ganz sicher, dass auf autobiographischen Erfahren basiert. Eine Geschichte aus der Einkaufswelt. Held der Geschichte ist ein Kassierer, Ende 20, eben der Kassierer an Kasse 53 in der CD-Abteilung des „größten technischen Kaufhauses“ der Stadt, für den Leser unschwer erkennbar – Saturn in Hamburg –

Der Protagonist ist ein pfiffiger Kerl, er kombiniert die blassblauen Firmenhemden mit einer grellen Krawatte, und einer Kollegin erzählt er – ich studiere Enzyklopädie –

Das ist ja ganz schön heftig aufgetragen, stimmt aber auch irgendwie. Er ist ein Einzelhandelsenzyklopädiker, ein Kundenethnologe. Er begrüßt die Kunden, regristiert, analysiert und verabschiedet sie. Wenn er fragt „möchten Sie eine Tüte oder geht das so mit“ gehen iihm ganz andere Gedanken durch den Kopf

Das ist manchmal amüsant, manchmal traurig,  heiter bis deprimierend – so ein Tag an der Kasse kann sehr lang sein. Der Text bietet einen hohen Wiedererkennungs-, und daher Unterhaltungswert. 

Die Geschichte hat keinen dramatischen Höhepunkt. Der Autor bietet ein sachlich-ironisches Einzelhandelslexikon.  Mohl stellt ganz bewusst schablonenhaft etwas  Alltägliches dar, dessen Routine doch beängstigt.

Mich hat dieses Buch an  den „Büroroman“,einen Roman von W. E. Richartz erinnert, der vor Jahren erschienen ist.

Gute, leichte Lektüre



Andreas Münzner

Stehle

2008 Liebeskind Verlag

 

Besuch macht zweimal Freude – wenn er kommt, und wenn er geht“

 

Hier hat einer überhaupt nicht die Absicht zu gehen. Eben Stehle, der doch zweifelhafte Held dieses Romans. Stehle kommt aus der Schweiz, und will für ein paar Nächte in einer Hamburger WG übernachten. Die Bewohner sind junge Leute mit gutem Einkommen., die schon häufiger Kurzzeitgäste hatten.

Stehle ist hilfsbereit, ordentlich, vielleicht etwas seltsam aber liebenswert.

Robert, er ist die zweite Hauptfigur, bemerkt dann allerdings einige Veränderungen in der WG, die ihn doch irritieren. Stehle leiht sich nicht nur Kleidungsstücke der anderen aus, ungefragt natürlich, er färbt eine geborgte Hose schon mal um . Es tauchen fremde Leute in der WG auf, Stehle hat einen Obdachlosen mitgebracht, damit der mal warm duschen kann. Nächstenliebe , in Ordnung denkt Robert. Stehle besitzt Charme, den Charme eines Unschuldlamms, eines Clowns. Er ist halt ein bisschen anders. Feste Arbeit ödet ihn an, und er fährt dann für ein paar Tage in die Schweiz, um eine Wiese zu besuchen. Als er dann zurückkommt, unterhält er Roberts Freundin so blendend, dass Robert doch langsam stutzig wird. Stehle ist doch schon sehr in sein Leben eingedrungen. Die WG löst sich dann auch auf, aber Robert kann Stehle nicht allein stehen lassen und bietet ihm ein Zimmer in seinem neuen Apartment an. Roberts Freundin hat ihn inzwischen auch gegangen. Robert verliert schließlich seinen Job, seine Wohnung, und muss sogar sein Hotelzimmer gegen Stehle verteidigen.

Stehle ist die Art Held, der einerseits nervt, andererseits fasziniert, ein Tunichtgut ein charmanter Halodri.

Robert ist da schon fragwürdiger. Sein wohlgeordnetes, pragmatisch geführtes Leben erweist sich als brüchig. Er steht nicht zu seinem Lebensentwurf, er wirkt teilnahmslos, er ist eine traurige Gestalt im Vergleich zu dem genießerischen Stehle.

Die Stärke dieses Romans sind die kleinen Dinge. Münzner schildert viele Begebenheiten, die für sich genommen nicht so schwerwiegend sind. Und dann ist das Groteske fast normal. Der Autor hätte daraus auch eine tragische Geschichte machen können. Glücklicher Weise hat er es nicht getan. 


Vorlesewettbewerb 2009

Am gestrigen Dienstag fand in unserer Bücherei der Kreisentscheid des diesjährigen Vorlesewettbewerbs in statt. Die 13 Teilnehmer kamen aus der gesamten Wesermarsch und waren an ihren jeweiligen Haupt- und Realschulen, bzw. am Gymnasium als Schulsieger hervorgegangen. Am Ende des Nachmittags entschied sich unsere Jury für die Vorleseleistung von Pia Abdin aus Nordenham und Angelina Müller aus Elsfleth.Vorlesewettbewerb 09 Teilnehmer samt Jury